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Praxisstudie ambulante Psychotherapie Schweiz
Ein Forschungsprojekt der Schweizer Charta für Psychotherapie in Kooperation mit dem Klinikum der Universität Köln und dem Departement Angewandte Psychologie der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.
Die Psychotherapie sieht sich derzeit weltweit bedeutsamen Herausforderungen ausgesetzt, die vor allem die Frage eines angemessenen Nachweises ihrer Wirksamkeit betreffen. Wie in der Medizin ist in der Psychotherapie unumstritten, dass objektive, verlässliche Erkenntnisse über die psychotherapeutische Wirkung erforderlich sind. In der Schweiz besteht, im Gegensatz zu anderen Ländern, noch eine breite Vielfalt an unterschiedlichen Therapieverfahren. Aus diesem Grund bietet sich die einmalige Chance, verschiedene Therapieverfahren anhand derselben theorieübergreifenden Wirksamkeitskriterien zu evaluieren und die Wirksamkeit mit dem schulenspezifischen Vorgehen in Beziehung zu setzen.
Folgende Fragestellungen und Themen werden unter anderem erforscht:
- Welches ist der generelle Nutzen der verschiedenen Therapieverfahren?
- Kann eine spezifische Wirksamkeit im Vergleich unterschiedlicher Behandlungskonzepte belegt werden?
- Gibt es Hinweise, welche Therapieverfahren für welche Patientinnen bzw. Patienten und welche Diagnosen besonders geeignet sind?
Elf psychotherapeutische Verbände bzw. Schulen haben sich unter dem Dach der Schweizer Charta für Psychotherapie bereitgefunden, an einer empirischen Studie zur Wirksamkeit ihrer Behandlungen teilzunehmen. Die Studie wird in einem naturalistischen Design durchgeführt. Dieses ist am besten geeignet, um die tatsächlich geleistete therapeutische Arbeit in der ambulanten Praxis, die einen grossen Teil der Behandlung psychischer Störungen ausmacht, abzubilden. Die meisten Wirksamkeitsstudien werden unter Laborbedingungen durchgeführt, weil dieses Vorgehen forschungstechnisch leichter zu kontrollieren ist. Der erhöhten inneren Validität der sogenannt kontrollierten Forschung steht der Nachteil entgegen, dass kaum Kenntnisse über die in der Praxis tatsächlich erfolgenden Behandlungsformen gewonnen werden können und diese Fakten somit für die gesundheits- und wissenschaftspolitische Diskussion fehlen.
Die PAP-S-Studie (Psychotherapiestudie Ambulante Psychotherapie Schweiz) ist als Prozess-Ergebnis-Studie angelegt. An einer Stichprobe werden Parameter verschiedener Dimensionen an drei Messzeitpunkten (zu Beginn und bei Abschluss der Therapie sowie ein Jahr nach deren Beendigung) durch externe Befragerinnen oder Befrager erhoben. Auch während der Dauer der Therapie werden zusätzliche Daten von Therapeutinnen und Patienten eingebracht. Die Ergebnis- und Prozessmessungen erfolgen somit aus drei Perspektiven: Patient, Therapeut und externe Experten. Die Reliabilität der Experten (Interraterreliabilität) wird laufend überprüft. Allfällige Medikationen während des Therapieverlaufs werden ebenfalls erfasst. Standardisierte und allgemein anerkannte Messinstrumente der Psychotherapieforschung, die aus verschiedenen Grundorientierungen stammen, werden auf alle Verfahren angewendet. Zur Überprüfung der tatsächlich angewandten Verfahren und deren Mischungen im jeweiligen Therapieverlauf wurde für die Studie ein eigenes Instrument entwickelt.
Die Studie ist auf sieben Jahre angelegt (2006-2012), damit nicht nur Kurzzeittherapien, sondern auch länger dauernde Therapien erfasst werden können. Insgesamt sollen mindestens 350 Therapien untersucht werden, um einerseits eine institutsspezifische Auswertung vornehmen zu können, und andererseits, um eine statistisch ausreichende Anzahl an Patienten pro sogenanntem Mainstream (humanistische, psychodynamische und körperbezogene Therapieverfahren) zu erhalten, um die vergleichende Wirksamkeit unterschiedlicher Ansätze bei vergleichbarer Patienten-Klientel einschätzen zu können.
Erste Ergebnisse der PAP-S-Studie wurden am „IPF World Congress of Psychotherapy“ vom Juni 2010 sowie in einem Artikel im Psychotherapie Forum publiziert.
Projektleitung
Prof. Dr. Agnes von Wyl, Prof. Dr. Volker Tschuschke, Universität Köln
Partner
Universität Köln, Schweizer Charta für Psychotherapie.
Mitarbeitende
Aureliano Crameri, Kristina Hurdes, Yvonne Kihm
Laufzeit
Herbst 2006 – 2012


